Sonntag, 30. August 2015

SPOILER! Leserunde zu "Im Licht der Normandie" von Margot S. Baumann

ACHTUNG!

Meine Beschreibung der vier Abschnitte des Buches enthalten alle Spoiler! Wer das Buch noch nicht gelesen hat sollte diesen Artikel nicht lesen!


Ich habe an der Leserunde auf Lovelybooks dieses Buch gewonnen und zu jedem der vier Abschnitte eine detaillierte Meinung geschrieben. Oftmals hatte ich noch wesentlich mehr Notizen, die dann aber im Gesamtzusammenhang unwichtig waren.
Hier füge ich euch nun alle meine Bemerkungen einmal untereinander ein, für alle die es interessiert und die das Buch schon gelesen habe.

Noch einmal, wer es noch nicht gelesen hat und dies tun möchte sollte nicht weiterlesen! Ich spoilere ohne Punkt und Komma! Ich verrate wichtige Details!

1. Abschnitt (Kapitel 1 - 19):

So, nun bin ich auch komplett durch mit dem ersten Abschnitt. Kaum zu glauben, dass ich es fast in einem Rutsch gelesen habe und kaum aus der Hand legen konnte / wollte. Schöner, angenehm zu lesender Schreibstil. Das gefällt mir sehr!

Am Anfang erschien es mir inhaltlich so, dass zwei komplett unterschiedliche Geschichten erzählt wurden. Doch mit jedem weiteren Kapitel fanden die Erzählstränge immer weiter zusammen.

Besonders gut hat mir dabei gefallen, dass die Erzählperspektive in den Kapiteln wechselte. Hier meine Notizen dazu:
Kapitel 1: Florence (Flo)
Kapitel 2: Flo
Kapitel 3: Alexandre (Alex)
Kapitel 4: Flo
Kapitel 5: Alex
Kapitel 6: Flo
Kapitel 7: Alex
Kapitel 8: Flo
Kapitel 9: Gregor / Zusammentreffen mit Alex
Kapitel 10: Flo
Kapitel 11: Alex / Flo's Ankunft
Kapitel 12: beide (Alex + Flo) auf dem Weg zur Demo
Kapitel 13: Gregor (mit Alex - Anschlag)
Kapitel 14: Flo
Kapitel 15: Gregor
Kapitel 16: Alex
Kapitel 17: Flo (mit Alex - Lüge über Mike)
Kapitel 18: Alex (mit Flo - Essen)
Kapitel 19: Gregor
Ihr seht, dass bis auf Kapitel 1+2 immer der Erzähler wechselte. Das gab mir persönlich einen guten Eindruck davon, was alles parallel passierte. Und verwirrt hat es mich nicht. Ich konnte der Handlung gut folgen. Ich musste eher aufpassen, dass ich die französischen Namen nicht durcheinander brachte. ^^

Was mir ansonsten noch aufgefallen ist: Die Geschichte mit den Geistern passte noch nicht richtig ins Konzept. Da wird sicher noch mehr kommen, doch gerade im ersten Abschnitt war es nur eine Anhäufung von zwei schrullig-netten Damen, die an Übernatürliches glauben.

Die Charaktere sind bisher leider noch etwas flach. Wie oben schon erwähnt ist Gregor zu einfach gezeichnet. Niemand ist einfach nur böse.
Flo erscheint mir naiv und gutgläubig.
Alex hingegen hat durch den Tod seiner Schwester einen interessanten Charakterzug erhalten, der ihn vom Öko-Greenpeace-Weltretter abhebt. Die Verbitterung und schon beinahe Depression lassen Spiel offen für die weitere Entwicklung und auch mal irrationale Handlungen seinerseits. So frage ich mich zum Beispiel, warum er eine Frau zum Essen einlädt, die ihn ganz offen mehrfach belügt. Was verspricht er sich davon? Ich glaube kaum, dass er in dem Moment nur mit der Hose gedacht hat (verzeiht mir).

Ich bin auf jeden Fall gespannt wie es weitergeht. :)

2. Abschnitt (Kapitel 20 - 39):

Was eine Fortsetzung des ersten Abschnitts.
Auch hier geht es immer weiter mit den wechselnden Erzählperspektiven. Das hatte mich ja noch im ersten Abschnitt so begeistert. Mittlerweile nervt es mich und hat mich durcheinander gebracht. Die Kapitel sind verhältnismäßig kurz und der Leser springt hin und her wie ein Flummi. Auf Dauer etwas anstrengend. Es wäre vielleicht besser gewesen nicht mit jedem Kapitel zu wechseln. Grundsätzlich finde ich es gut.

Flo finde ich immer unsympathischer. Jetzt noch mehr als zuvor. Wenn sie Lügen doch angeblich so hasst, wieso tut sie es dann? Und reitet sich auch noch immer weiter rein? Das finde ich nicht gut.

Die Entwicklung mit den Briefen und den am Ende eingeführten Geistergeschichten bzw. Träumen ist sehr eindeutig und ich müsste mich schwer täuschen, wenn die Geschichte anders verläuft als ich jetzt annehme. Verraten möchte ich noch nichts von meinen Ahnungen, hinterher ist es ein Spoiler. ;)

Allgemein finde ich die Entwicklung zwischen Flo und Marc zu schnell und auch zwischen Flo und Alex.
Die ersten Zweifel an der Beziehung mit Marc sowie der Betrug und dann die so unkomplizierte und schnelle Trennung sind für mich unglaubwürdig. Welcher Mann würde das so auf sich sitzen lassen? Und dann auch keinen Stress machen bei der Auflösung der Beziehung? Ich habe so eine einfache Lösung noch nie gehört. Das wäre mal wirklich die glorreiche Ausnahme. Und Flo wurde ja auch von ihm betrogen! Was ist das denn für eine Beziehung in der es egal ist ob man sich treu ist. Nach dem Motto: "So, ich hab jetzt keine Lust mehr auf dich, pack deine Sachen und such dir was Neues." - "Alles klar, dir noch ein schönes Leben!". *wink*
Für mich leider unrealistisch. Da wäre es sympathischer gewesen, wenn Flo als Single eingeführt worden wäre mit einem anderen Problem im Hintergrund. So wird die vorhandene Situation nicht ausreichend genutzt bzw. bis zum Ende beschrieben. Klatsch, und fertig. Zurück zu den Briefen und der Geistergeschichte.

Genauso ist es auch zwischen Flo und Alex. Dass er sich Hals über Kopf in sie verliebt ist ja okay, aber sie ist in einer Beziehung und doch küssen sie sich so plötzlich und landen in der Kiste, obwohl sie ihn kurz zuvor auch noch belogen hat. Insgesamt zwar realistischer als die Situation mit dem Ex, aber trotzdem merkwürdig.

Zusätzlich dazu bin ich dauerhaft irritiert davon wer denn nun wer ist. Die Abkürzungen der Namen sind für mich schwer auseinander zu halten, da ich sowohl Flo als auch Alex als Namen für beiderlei Geschlecht kenne. Ich muss dann in Gedanken immer den gesamten Namen ergänzen um es auf die Reihe zu bekommen. Aber das liegt ja an mir und ist daher kein richtiger Kritikpunkt. Bestimmt geht das den wenigsten so.

Gregor darf ich natürlich nicht vergessen. Er hat immer wieder Kapitel in denen seine Erinnerungen aufgezeigt werden und seine Rivalität zu Alex verdeutlicht wird. Immer will er das, was Alex hat. Bzw. in den meisten Fällen eben die Frau die Alex hat oder seine Schwester. Sympathischer wurde er mir nicht und so viele Erinnerungen hätten es auch nicht sein müssen. Aber es ist okay.

So, insgesamt ein eher mittelmäßiger Abschnitt, der erste war besser. Ich freue mich schon darauf zu erfahren, was es mit den Geistern, Träumen und Briefen auf sich hat und

Und abschließend: Liebe Margot, ich hoffe, ich habe das alles nicht zu böse geschrieben. Ich bin sehr direkt mit meiner Meinung und möchte dich nicht verletzen sondern meine Meinung kundtun. Vielleicht gibt es ja auch andere, die meiner Meinung sind. ;) Liebe Grüße!

3. Abschnitt (Kapitel 40 - 59):

Der dritte Abschnitt des Buches hat mir besser gefallen als der zweite. Es geht hauptsächlich um die Entwicklung der Beziehung zwischen Flo und Alex. Außerdem werden die Träume und die spontan auftretende Stummheit weiter thematisiert.

Ich fand zwar die Trennung von Marc und Flo wirklich zu einfach, aber das habe ich mittlerweile überwunden. Es gibt noch genügend Probleme zwischen dem Dreiergespann.

Die Entwicklungen rund um die Briefe finde ich interessant, vor allem da scheinbar die Gegenstücke im Besitz von Alex Familie waren. Das lässt einen wirklich aufhorchen und an Seelenwanderung, Schicksal und Fügung denken. Es scheint so, als seinen Flo und Alex füreinander bestimmt.

Wir erfahren immer mehr über die Zusammenhänge zwischen den Briefen, der Truhe und dem Struwwelpeter sowie Adelaide, Louis und Jeanne. Aber es bleiben trotzdem die schlussendlichen Fragen offen, welche im letzten Abschnitt hoffentlich geklärt werden.

Gregor ist in diesem Abschnitt nicht so präsent. Wenn ich es richtig gezählt habe hatte er nur 3 Kapitel. Er tritt also zunächst in den Hintergrund, verschwindet aber nicht komplett. Das finde ich gut. Wir erfahren was für ein Widerling er ist (Kapitel mit der Mutter) und dass er weiterhin versucht Flo für sich zu gewinnen. Um die Römerwiese geht es nicht mehr wirklich.

Flos Reaktion gegen Ende des Abschnitts finde ich übereilt. Nur weil Alex nicht sofort in blumige Schwärmerei verfällt lässt sie alles stehen und liegen und hört sich nicht einmal an was er überhaupt dazu zu sagen hat. Ich finde das zwar doof, aber charakterlich passt es zu der bisherigen Entwicklung und Darstellung von ihr. Sie ist eben eine reaktionsschnelle, heißblütige Dame.

Was ich mich aber die ganze Zeit gefragt haben als Alex auf der Suche nach Flo war: warum ruft er sie nicht an? Sie hat doch ihre Tasche dabei. Oder habe ich es irgendwo überlesen, dass sie ihr Handy nicht mitgenommen hat? Das wäre auf jeden Fall meine erste Handlung gewesen.

Ich bin jetzt auf jeden Fall gespannt wie es ausgeht und ob sich meine Vermutungen bewahrheiten. Gerade bin ich etwas verwirrt wegen Jeanne und Adelaide in Verbindung mit Flo.

4. Abschnitt (Kapitel 60 - 69 + Epilog):

Was ein Ende! Genau, wie ich es mir gedacht habe. Alle Dinge, die ich vorher vermutet hatte haben sich bewahrheitet.

Ich war irgendwie erstaunt, dass der letzte Abschnitt nur noch aus 10 Kapiteln plus längerem Epilog bestand. Ich hatte mich gedanklich eigentlich auf mehr Kapitel eingestellt, so wie in den ersten 3 Abschnitten. Aber das kommt natürlich von der Einteilung hier. Als normaler Leser wäre ich einfach überrascht, dass der Epilog so schnell kam.
Man wird am Ende von Kapitel 69 komplett aus der Handlung heraus gerissen. Finde ich das gut? Wenn ich darüber nachdenke muss ich dies mit Ja beantworten. Ich brauche keine detaillierte Beschreibung wie Gregor gestorben ist und wie seine Leiche aussah oder wie die polizeilichen Ermittlungen liefen, wie das Skelett gefunden wurde und, und, und.

Meine einzige offene Frage wäre, warum nicht weiter in Richtung von Flo und Alex ermittelt wurde. Sie haben sich widerrechtlich auf einem fremden Grundstück befunden und auch noch Hilfsmittel zum Graben dabei gehabt. Wer sagt denn nicht, dass ein Streit aufgekommen ist, die beidem Gregor eine über gezogen haben, ihn in den Baucontainer gelegt haben und diesen dann zum explodieren gebracht haben? Das würde voll zu der Anklage passen die schon gegen Alex läuft. Als Polizist hätte ich definitiv in diese Richtung hin ermittelt.

Ansonsten fand ich die Versöhnung der beiden am Anfang dieses Abschnitts recht schnell abgehandelt. Aber das passt zu den beiden. Ich habe mich daran gewöhnt.

Die Lösungen der Rätsel kamen dann Schlag auf Schlag. Als hätten die Charaktere endlich das gesehen, was dem Leser schon die ganze Zeit klar war.

Mit Gregor hatte ich in Kapitel 68 schon fast Mitleid. Man versteht etwas besser, wieso er so geworden ist wie er war. Denn kein Mensch ist von Geburt an böse. Der Neid, dass Alex all das hat was er sich wünscht und er es sich stattdessen erkaufen muss (Liebe, Freundschaft, Ansehen, etc.) macht ihn menschlich. Trotzdem bleibt er ein Ekel. Ich wollte ihm nicht im Dunkeln begegnen.

Dass die Ereignisse der Nacht nicht an die Öffentlichkeit herangetragen wurden finde ich heroisch von Alex und Flo. Es zeigt ihre sanfte Seite und dass sie keinem etwas Böses antun wollen. Ich denke wenn hier die polizeilichen Ermittlungen mehr in ihre Richtungen gegangen wäre hätte sie die ganze Geschichte erzählen müssen.

Ein bisschen stört mich noch, dass man nicht richtig erfährt was in den zweiten Briefen stand. Das hätte mich noch interessiert. Natürlich sind sie die Gegenstücke, aber ich hätte es gerne erfahren. Da bin ich eben neugierig. ;)

Ach, da fällt mir noch ein Punkt ein. Vielleicht habe ich das auch überlesen. Aber wurde das Skelett nun umgesetzt und richtig beerdigt? Oder bliebt es dort vor Ort? Wieso musste Flo 5 Monate stumm sein bis zur Zeremonie? Sie hatte doch vorher den "Fall" geklärt und alle Puzzlestücke zusammengefügt. Hat dies dem Geist noch nicht gereicht? Die Vergeltung für Castel war erledigt und das Liebespaar hatte zueinander gefunden. Warum musste unbedingt bis zur Aufstellung des Steins gewartet werden bis Flo ihre Stimme wiedererlangte? Immerhin wurde damit die wirkliche Geschichte trotzdem nicht veröffentlicht. Daher hätte ich die erneute Stummheit weggelassen.

Eine kleine allgemeine Anmerkung noch von meiner Seite: ich hätte es besser gefunden, wenn Flo die geistige Verbindung zu Adelaide selber gehabt hätte. Immerhin ist sie ihr Gegenstück in der Gegenwart. Die Tochter muss natürlich erwähnt werden weil sie ein Teil des Stammbaums ist und ohne sie Flo nicht existieren würde.
Ich hätte die Geschichte so aufgebaut, dass Flo in Adelaides Gedanken eintaucht und sie zum Beispiel ihre Tochter schützen will. Castel würde sich an ihr rächen wollen weil Adelaide ihn nicht haben will und so entwickelt sich der Mord. Oder eine andere Variante, da gibt es ja viele Möglichkeiten.
Denn das hatte mich verwirrt. Ich habe mich zwischendrin gefragt wie Jeanne denn nun mit Louis zusammen findet, da Flo Jeanne ist und Alex Louis ist. Ich hoffe, das ist jetzt nicht total verwirrend. ^^

Abschließend kann ich sagen, dass auch dieser Abschnitt gut geschrieben war und ich ihn in einem Rutsch durchgelesen habe. Ich wollte unbedingt wissen wie es denn nun zu Ende geht.
Zwischendrin in den anderen Abschnitten hatte ich meine Zweifel ob mir das Buch gefallen würde, doch es hat sich gebessert und ich würde es weiterempfehlen. :)

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