Mittwoch, 5. Juli 2017

Rabenflug - Anja Hansen



»Hallo. Mein Name ist Liara und ich bin tot.«
»Hallo Liara«, schallt es mir vielstimmig entgegen.

Ich dachte immer das Leben nach dem Tod wäre einfacher, aber weit gefehlt. Nicht nur, dass ich immer noch meinem Schwarm nach renne, wortwörtlich, mich verfolgt auch ein zotteliges Federvieh. Von unserer durchgeknallten Selbsthilfegruppe und dem gruseligen Typen, der mir plötzlich auflauert, will ich gar nicht erst anfangen.

Eine romantische Fantasygeschichte, bei der weder der schwarze Humor, noch ernste Themen zu kurz kommen.


Das Cover ist düster und kühl gehalten. Schwarz- und Blautöne dominieren das Cover und besonders der Engel vermittelt direkt eine gewissen Grabesstille. Der Mond im Hintergrund und der Rabe im Vordergrund erwecken einen mystischen Eindruck. Nur das kleine "A" über dem g von Rabenflug stört mich etwas. Ich vermute, dass es das Zeichen des Illustrators ist.


Liara ist tot. Und trotzdem wandelt sie noch auf der Erde und hat einen Raben namens Thanatos als Begleiter. Jeden Tag besucht sie ihren Schwarm Tomas und begleitet ihn auf dem Weg zur Schule. Danach verbringt sie ihre Zeit damit unsichtbar auf der Welt zu wandeln und einmal wöchentlich zu einer Selbsthilfegruppe für Tote zu gehen.

Der Klappentext hat mich sofort überzeugt! Ich wusste, dass ich dieses Buch lesen muss. Der Beginn der Geschichte hat mich total an "Drop Dead Diva" oder "Dead like me" erinnert. In diesen beiden Serien wird mit viel schwarzem Humor das Thema Leben nach dem Tod behandelt und verarbeitet. In Ansätzen wird das auch in dieser Geschichte getan.

Mit etwas um die 55 Seiten ist dieses Buch für mich ein Kurzroman. Die Seiten flogen nur so dahin und ich hatte das Buch schon nach etwa einer Stunde durchgelesen. Trotz dieser Kürze ist die Geschichte rund und stimmig und lässt keine wichtigen Fragen offen. Ich kann mir zwar vorstellen, dass man die Geschichte noch wesentlich ausführlicher und länger schreiben könnte, aber so wie sie ist, ist sie gut.

Das Buch macht nachdenklich. Es führt dem Leser ganz selbstverständlich die Endlichkeit des Lebens vor Augen ohne große Traurigkeit zu wecken. Es ist eher wie der Umgang mit einer unabwendbaren Tatsache. Wir alle sterben mal und fragen uns, was danach auf uns wartet.

Sofort habe ich mir überlegt was ich alles tun würde, wenn ich unsichtbar wäre und ich alles tun könnte was ich will. Ich würde an Bord von unterschiedlichen Flugzeugen gehen und die Welt erkunden! Einfach abheben, andere Länder sehen und so viel erleben wie möglich. 

Es gab nur zwei Kleinigkeiten, die mich etwas beim Lesen gestört haben. Erstens hätte für mich der schwarze Humor noch ausgeprägter sein können (da bin ich ziemlich schmerzfrei). Und zweitens scheint die Protagonist Liara eine extrem lange Leitung zu haben. Es ist mir mehrfach passiert, dass ich Geschehnisse im Buch als Fehler ankreiden wollte, da sie den zuvor geschilderten Gegebenheiten widersprechen oder logisch nicht möglich wären (zum Beispiel können Geister nicht mit Dingen interagieren, aber sie sitzen auf Stühlen). Erst eine Weile später fällt der Protagonistin dann auf, was sie gerade getan hat. Da diese vermeintlichen Fehler jedoch so gewollt sind, ist das auch nur ein winziger Kritikpunkt.

Der Schreibstil der Autorin hat mir sehr gut gefallen. Ich war sofort mitten im Geschehen und konnte eintauchen und gut abschalten.
 

Eine schöne Geschichte für Zwischendurch. Ich kann sie jedem, der auf schwarzen Humor steht, empfehlen. Kurzweilig und unterhaltsam. Ich werde mir jetzt nach dieser Lektüre sicher noch die anderen Geschichten der Autorin anschauen.

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Klappentext und Bild von www.amazon.de

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