Dienstag, 11. Juli 2017

Das Leben fällt, wohin es will - Petra Hülsmann



Party, Spaß und Freiheit - das ist für Marie das Allerwichtigste, und sie liebt ihr sorgenfreies Dasein. Das ändert sich jedoch schlagartig, als ihre Schwester Christine schwer erkrankt und sie darum bittet, sich während der Behandlung um ihre Kinder zu kümmern. Und nicht nur das - Marie soll auch noch Christines Posten in der familieneigenen Werft für Segelboote übernehmen. Darauf hat Marie ja mal so überhaupt keinen Bock, und auf ihren neuen "Chef", den oberspießigen Daniel, erst recht nicht. Während sie von einem Chaos ins nächste stolpert, wird ihr jedoch klar, dass es Dinge im Leben gibt, für die es sich zu kämpfen lohnt. Und dass manches einen ausgerechnet dann erwischt, wenn man es am wenigsten erwartet - zum Beispiel die Liebe ...


Das Cover des Buches hat mich sofort angesprochen. Die Blumen, die maritimen Symbole und die blau weißen Streifen ergeben ein abgerundetes Bild. Alles sieht sehr sommerlich aus und passt daher gerade perfekt zur Urlaubszeit.


Marie ist ein Partygirl durch und durch. Sie lebt in den Tag hinein und vermeidet ernsthafte Beziehungen und langfristige Verbindungen, egal ob privat oder beruflich. Nur ihre Partygesellen liebt sie heiß und innig und verbringt die Nächte mit ihnen im Hamburger Kneipenviertel.
Aus diesem Leben wird sie jedoch herausgerissen als ihr ihre alleinerziehende Schwester Christine eröffnet, dass sie Krebs hat. Um sie zu unterstützen zieht sie bei ihr ein, kümmert sich um die Kinder und muss auch noch gegen ihren Willen Christines Job in der Familienwerft übernehmen. Natürlich kann das nicht lange gutgehen und das Chaos ist vorprogrammiert.

Marie ist mir im Laufe des Buches richtig ans Herz gewachsen. Am Anfang des Buches charakterisiert sie dieser Textausschnitt sehr gut:
"Einfach so tun, als wäre alles okay, lautete die Devise. Darin war ich Weltmeisterin. Und wenn man nur lang genug so tat, als wäre alles in Ordnung, glaubte man manchmal sogar daran."
Aber auch die anderen Charaktere sind herzallerliebst konzipiert. Von den zwei chaotischen-niedlichen Kindern, über den grummeligen Vater, bis zum lebensweisen Taxifahrer. Eine ganze Reihe toller Individuen wurde von der Autorin geschaffen und im Hamburger Kessel zu einer hinreißenden Geschichte vermischt.

Ich habe dieses Buch gelesen in der Hoffnung, dass ich eine schöne Sommergeschichte erlebe. Dies habe ich mir gewünscht und auch so erhalten. Doch dieses Buch ist noch viel mehr. Die Krebsgeschichte von Christine hat mich berührt. Ich glaube, dass man die Situation der Personen besonders gut nachvollziehen kann, wenn man selber einen Krebsfall in der Familie hatte. Ich habe mir auf jeden Fall das ein oder andere Tränchen wegwischen müssen bei den Gefühlen, die die Geschichte in mir weckte.

Das Buch ist von Anfang an recht vorhersehbar für mich gewesen. Bei dem Klappentext hatte ich direkt so meine Vermutungen (ich verrate aber nicht welche). Normalerweise stört mich das, doch hier fand ich es in diesem Fall überhaupt nicht schlimm. Im späteren Verlauf wurden noch genügend Dinge aufdeckt, mit denen man zunächst nicht gerechnet hat.
Besonders die persönliche Entwicklung von Marie hat mir gut gefallen. Die Autorin lässt sich Zeit damit und gibt der Protagonistin den nötigen Spielraum um sich langsam zu entfalten und zu sich selbst zu finden.

In der Geschichte geht es aber nicht nur um Familie, Liebe und Leid. Auch die Arbeit in der Werft kommt nicht zu kurz. Die Details darüber erschienen mir glaubwürdig und ich fand sehr interessant. Bei den Gesprächen zwischen Marie und Daniel musste ich so oft lächeln. Pure Situationskomik ohne übertrieben zu sein. Sehr schön gelöst!

Der Schreibstil im Allgemeinen ist sehr angenehm. Die Seiten flogen nur so vorbei und ich war hinterher total erstaunt, dass das Buch über 500 Seiten hat. Das ist mir beim Lesen nicht so vorgekommen. Ich habe das letzte Viertel des Buches an einem Abend komplett gelesen. Ich konnte das Buch einfach nicht aus der Hand legen, und musste wissen wie es ausgeht.


Sehr gut hat mir auch gefallen, dass der Titel des Buches gegen Ende des Romans immer wieder mal ganz natürlich in den Text mit einfloss. Dies wurde jedoch nicht nur mit dem Titel des Buches so gehandhabt, sondern auch mit den Überschriften der einzelnen Kapitel. Es hat mich jedes Mal zum Grinsen gebracht. Und die Überschriften der Kapitel sind herrlich! Hamburger Platt vom Feinsten. Besonders süß fand ich auch noch, dass die Gespräche in Platt am Ende auch noch ins Hochdeutsche übersetzt wurden. Für mich hätte das nicht sein müssen (mit Rheinischem und Eifler Platt als Hintergrund konnte ich es gut verstehen), aber für andere ist es sicher hilfreich.


Dieses Buch habe ich mit wohlverdienten 5 Sternen bewertet. Es hat mir von vorne bis hinten gut gefallen und ich habe nichts daran auszusetzen. Ich werde es in Zukunft bestimmt noch mehrfach lesen.

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